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04 Dezember 2006

Grosser Wechsel (Wochengulasch Nr. 4)

Eine turbulente Woche liegt hinter mir. Ich habe alle meine offenen Posten erledigt und noch ein Kommunikationskonzept abgegeben, ohne zu wissen, ob das irgendwie verarbeitet wird, genauer gesagt: ob es Vilmos durchlesen und als Input verwenden wird. Mit einem kleinen Apero für die Mitarbeiter im Göncöl-Haus habe ich doch klargestellt, dass ich vorerst nicht noch weiter Teilzeitarbeit für das NGO von Budapest aus machen werde. Ich wollte einfach einen klaren Kopf haben, wenn ich bei der CEU anfange, und nicht mit irgendwelchen Briefen an deutsche Bürgermeister alle sieben Tage zu tun haben.
An meinem ersten Tag an der Central European University (CEU) habe ich das starke Gefühl bekommen, dass das ein richtiger Entscheid war. Es läuft viel hier: Internationale Forschungsprojekte werden durch das Zentrum, bei dem ich arbeite, begleitet. Es gibt auch einen kleinen Lehrteil dieses Zentrums (es heisst CMCS), das Veranstaltungen innerhalb der Masterprogramme für Public Policy und für Politikwissenschaft betreut. Und sonst in der ganzen Uni herrscht eine grosse Auswahl von Vorträgen und Diskussionen zu aktuellen Themen. Zudem ist die Arbeitsatmosphäre schön international, so dass ich mich nicht mehr so als externer Experte fühlen muss wie bei Göncöl. Ich werde dann auch immer als "our new intern" vorgestellt. Lovely!

28 November 2006

Kleinigkeiten (Wochengulasch Nr. 3)

Schon ist die letzte Woche in Vác angebrochen. Am Arbeitsplatz läuft entweder überhaupt nichts oder alles drunter und drüber. Ich kann noch nicht abschätzen, wie elegant sich der Abschluss hier gestaltet. Aber es ist Zeit einmal auch den kleinen Dingen ein wenig Platz einzuräumen.

Es war der erste Eindruck, und es wird der auch der letzte sein: Die Verlorenheit auf dem örtlichen Bahnhof. Die Weite. Kleines gelbes Gebäude, dass mich irgendwie an die Prärie erinnert.


Haben die Ungaren etwa eine Special Relationship zu Iran? Jedenfalls konnte ich Datteln daher erstehen. Leider waren die nordkoreanischen Kürbisse bereits ausverkauft.

Von meinem Bekannten Balasz wurde ich netterweise zu einer Mineralien- und Bonsaisammlerbörse mitgenommen. Das Ganze fand in einem Gemeinschaftszentrum statt. Die Bonsais waren die Bewunderten, während im Hintergrund die Geschäfte mit den Mineralien gemacht wurden. Balasz kaufte dann auch für das Heidengeld von 500 Franken einen 50 Kilogramm Klumpen aus ...nit (bitte Phantasie oder Lateinkenntnisse benutzen)


Jö, ein kleiner Nadelbaum.



Scheinbar windet es bei den Bonsai-Gärtnern (oder vielleicht eher Züchtern?) die ganze Zeit. Wieder so ein verbogenes Exemplar.
Nein, natürlich konnte man sehr gut die angesetzten Metallstränge an den vorderen Ästchen sehen, welche die Zweige in eine Richtung wachsen lassen.

16 November 2006

eine Betrachtung (Wochengulasch Nr. 2)

Es geht schnell, schon sind zwei Wochen um, und es bleiben mir noch zwei weitere hier in Vác. Ich bin in letzter Zeit geistig nicht mehr ganz so stark in das Projekt involviert gewesen. Kein Wunder, denn Wien und überhaupt Freunde aus der Schweiz zu sehen, holt einen ziemlich aus dieser Welt heraus, die doch vor allem ästhetisch und akustisch anders daherkommt. Ich muss mich wieder neu einlassen auf diese andere Welt. Manchmal strengt es einfach an, wie wichtig wäre dann eine Routine, die einen wieder ausgleicht. Es fällt auf, dass ich hier viel mehr meinen Stimmungen ausgeliefert bin, je nachdem, was ich für eine Episode erlebe. Diese Episoden sind auch nie zusammenhängend, sondern bilden einzelne Bedeutungsinseln. Wie ein Detektiv nehme ich diese Details wahr, und versuche die darunterliegende Dynamik zu ergründen.

06 November 2006

Wochengulasch Nr. 1

Die ersten 5 Tage sind gut überstanden. Nach der Ankunft am Donnerstag Nachmittag im Haus der Umweltstiftung Göncöl in Vác, habe ich jetzt mal alle ungefähr zehn, meist jungen Gesichter der MitarbeiterInnen gesehen. Der Chef Vilmos ist ein herzlicher knorrliger Typ um die 45, schwankend zwischen Aufbrausen und wegen-sich-selber-schmunzeln. Mit ihm habe ich auch hier im Göncölhaus am meisten zu tun, die anderen drücken sich, auch wegen der Sprache bisweilen, vor mir herum.
Ich muss also dieses NGO retten, oder besser der Welt erklären, wer sie sind. Zudem sollen die Kontakte in der Zwillingsstadt Donaueschingen besser "bearbeitet" werden.
Die Stadt Vác ist hübsch verschlafen, als Highlight wurde mir heute im Tourinform (ehemalige staatliche Auskunftsstelle) die 216 Mummien der Stadt angepriesen. (Wer schon mal im ungarischen Pécs war, hat dort Ähnliches vorgefunden).
Tourist-like ist auch mein Essverhalten hier. Zu günstigen Preisen gibt es wirklich sehr feine Sachen auswärts, z.B. Spätzli und Zwiebeln mit Schafskäse überbacken. Und damit das alles wieder wegkommt, habe ich mir heute im Hallenbad grad die 10er-Karte gelöst, nicht ohne mindestens drei Leute damit absorbiert zu haben.
In der Stadt der Kellerbars beginnt nun meine 2. Woche.