21 Dezember 2007

Grenzen öffnen sich

Heute wurden die Grenzkontrollen zwischen acht mittel- bzw. osteuropäischen Staaten und zu ihren westlichen Anrainern aufgehoben. Das Schengen-Projekt beinhaltet zwei Prozesse: die Liberaliserung innen und die Verfestigung gegen aussen. Für traditionelle Nachbarschaften, die historisch einen langen Umgang miteinander haben, bedeutet das eine zusätzliche Erschwernis. Beispiele sind die slowenisch-kroatische Grenze, die Grenze von Ungarn zur Vojvodina (Serbien), in der viele Ungarisch-Stämmige leben oder die Grenzregion Narva-Ivangorod (Estland-Russland).
Vor zwei Wochen zeigte mir Thorsten, ein Berliner Bekannter, ein Video zum Mauerfall. Schade, dass wir in der Schweiz, diese emotionalen Geschehnisse nicht in diesem Ausmasse mitverfolgen konnten. Das hat bei mir sicher auch mit dem Alter zu tun. Ich war 13, und ging noch zur Primarschule in einem kleinen Dorf. Bewusst kriegte ich damals davon nichts mit.
Hier also ein Zeitzeugnis, bei dem damals nur Grenzen fielen, ohne dass neue aufgestellt wurden.

13 Dezember 2007

Die symbolische Macht zwischen den Generationen

Die Begebenheiten im Herkunftsland bringen eine neue Spannung mit sich, wenn ein Beobachter mit anderen, fremden Umständen vertraut geworden ist.
Natürlich war es nachrichtenmässig sehr spannend, gerade in diesen Tagen in die Schweiz zurückzukehren. Die Mitte-Links Parteien des Parlaments haben den rechtsnationalen Minister Blocher aus der Regierung gedrängt und ihn mit einer unbekannten Frau einer Kantonsregierung ersetzt. Die Parteizugehörigkeit ist diesselbe, jedoch vertritt sie gemässigtere Ansichten in der Ausländerpolitik. Die Entwicklung kann auf den einschlägigen Nachrichtenportalen weiter verfolgt werden.
Aufschlussreich war eine Diskussionssendung im ersten Kanal des Schweizer Fernsehens eine Nacht vor diesem Umsturz. Eingeladen wurde in gut schweizerischer paritätischer Manier. Zwei ältere Herren (beide langjährige Parlamentarier), zwei Mitvierziger (Chefredaktor der einflussreichsten bürgerlichen Wochenzeitschrift und eine Politologin) sowie zwei Twenty-somethings (Jungpolitiker der Volkspartei und ein politischer Dialektrapper). Solche Diskussionsplattformen werden immer zu Stellungsabgaben gebraucht, und am Ende geht es darum, wer der symbolische - und leider nicht rhetorische - Sieger ist.
Das vorherrschende Prinzip heisst dabei Seniorität. Natürlich hatten die beiden Altpolitiker einen umfassenden Erfahrungsschatz. Gilt also immer die Priorität, lange zurückliegende Episoden erzählen zu dürfen? Die Senioren bestanden darauf, und widersetzten sich, wenn die Jüngeren sich mitteilen wollten. Die nächst untere Generation der Übervierzigjährigen wiederholte das Prinzip gegen die ganz Jungen. Sprach der Chefredaktor jemanden an, so sicherlich nicht den Jungpolitiker und den Rapper.
Was hier zum Ausdruck kommt, ist die noch verbreitete Vorstellung des Anstands, welches dem Alter gebührt werden muss. In Estland wären die Rollen vertauscht gewesen. Die beiden Jungen wären Minister und rappender Leiter einer grossen Forschungsabteilung. Man gewährte ihnen dank ihrer Positionen, aber auch wegen ihrem frischen Elan Respekt. Die Senioren müssten sich dagegen mit einer Nebenrolle begnügen.
Die einmalige Chance, die Estland ab 1991 nutzte, das Machtgefüge unter den Generationen umzukrempeln, konnte nur durch die einschneidende Revolution erfolgen. In normalerweise schrittweise sich entwickelnden Gesellschaften exisitiert die Norm der Trägheit. Die dem Rentneralter zusteurenden Politiker in der Schweiz möchten darum jetzt auch die Früchte einfahren. Lange genug mussten sie selbst warten.

01 Dezember 2007

Aargh...die Kommentarfunktion zu meinem Artikel

Während ich diese Zeilen schreibe, wird gerade über mein Schicksal abgestimmt. Ich glaube ich muss nicht nach Sibirien, denn es gibt nicht nur ausschliesslich Positivsaldi der an mich vergebenen Punkte, sondern es werden in letzter Zeit auch absolut höhere Punktzahlen auf der Daumen nach oben-Seite ausgeteilt. Letzthin bekam ich 30 Pluspunkte und nur 4 Minus!

Sich selbst googlen war gestern, heute gilt es sich den Leserbewertungen zu stellen. Am besten in der verschärften Version, das ist in einer für den Autoren nicht zugänglichen Sprache. Oder wie war das nochmals mit den Scheinprozessen?